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Mit
der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde
diese Politik in verschärfter Form fortgesetzt. 1938
wurde die Münchner "Zigeunerdienststelle" in
"Reichskriminalamt zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens"
umbenannt und in das zentrale Reichskriminalamt in Berlin
eingegliedert. Parallel zur Erfassung durch die Polizei wurden
vom Reichskriminalamt Wissenschaftler ausgewählt und
mit der systematischen Erfassung der gesamten Bevölkerung
der Roma und Sinti in Deutschland beauftragt. Zu diesem Zweck
wurde beim Reichsgesundheitsamt die so genannte „rassenhygienische
Forschungsstelle" gegründet. Die Leitung übernahm
der Arzt Dr. Robert Ritter, die Finanzierung für die
"Forschungsarbeit" gewährte die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG).
Ritter betrachtete die Roma als "kriminelle und asoziale
Rasse", die zum Verschwinden gebracht werden musste.
Er nannte seinen Forschungsbereich "Kriminalbiologie"
und unterstellte, dass die Roma und Sinti als Volk kriminelle
Eigenschaften hätten, die genetisch vererbt würden.
In der ersten Phase seiner Arbeit unterschied Ritter zwischen
"reinrassigen Zigeunern" und "Zigeunermischlingen",
die er für besonders "asozial" hielt. In einem
seiner Arbeitsberichte schrieb er:
"Die Zigeunerfrage kann nur als gelöst betrachtet
werden, wenn die Mehrheit der sozialen und nutzlosen Zigeunermischlinge
in großen Arbeitslagern untergebracht worden ist und
der Fortpflanzung dieser Mischlingsbevölkerung ein Ende
bereitet ist. Nur dann werden die zukünftigen Generationen
des deutschen Volkes von dieser Last befreit sein."
Ritters "Forschungsstelle" beschäftigte eine
Reihe von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, darunter die
Anthropologinnen Dr. Eva Justin, Prof. Sophie Ehrhardt sowie
die Hamburgerin Dr. Ruth Kellermann. Ihnen wurde die Aufgabe
übertragen, Familiengenealogien zu erstellen, nach denen
der „Mischlingsgrad" von Roma und Sinti festgestellt
werden sollte. Die Kartei, die Ritter und seine Mitarbeiter
stellten, wurde dann an die Polizei weitergeleitet und diente
dazu, die erfassten Familien zu verhaften und in die Konzentrationslager
zu deportieren. Aus diesen Lagern sind nur wenige zurückgekehrt.
Allein in den Gaskammern der Konzentrationslager starben über
eine halbe Million Roma und Sinti. In den osteuropäischen
Ländern fielen während des zweiten Weltkrieges weitere
Hunderttausende Roma den Erschießungskommandos der deutschen
Besatzer zum Opfer. Die genaue Zahl der Opfer ist bis heute
unbekannt.
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