|
| |
|
|
|
Roma, Sinti und Hamburg während des Nationalsozialismus
 |
| |
|
Der
Druck auf die Sinti und Roma in Hamburg wuchs nach der Machtübernahme
durch die Nationalsozialisten. Am 8. April 1935 wurde in Hamburg
ein einheitliches Vorgehen bei der "Unterstützung"
von Zigeunern vereinbart. Besondere Maßstäbe wurden
für die Fürsorge - die damalige Sozialhilfe - von
Zigeunern gesetzt. Wohnungen sollten an Zigeuner nicht vermittelt
werden und die Gewerbepolizei wurde angewiesen, ihnen keine
Gewerbescheine zu erteilen. Alle Zigeuner, die Unterstützungsempfänger
waren, mussten fünf Tage in der Woche "Pflichtarbeit"
leisten, für die, die Erwachsenen 5,- Mark, die Kinder
2,- Mark in der Woche bekamen.
Alle besonderen Formen der Unterstützung - die Reichswochenbeihilfe,
die Reichsbeihilfe für kinderreiche Familien. Kleidungs-
Sachbeihilfe. u.a. - wurden "für Zigeuner aus grundsätzlichen
Erwägungen heraus abgelehnt".
Schon 1937 entstand
die Idee, alle in Hamburg lebenden Sinti und Roma zwangsweise
in einem Sammellager zusammenzufassen. Am 4. November 1937
schreibt der Oberbürgermeister von Wandsbek:
"...
ob es nicht zweckmäßig wäre, wenn die sämtlichen
Zigeunerfamilien, die sich in Groß-Hamburg befinden,
in irgendein größeres gemeinsames Lager, welches
möglichst weit von den übrigen Wohngebieten liegen
müsste, gebracht werden können".
Ein Jahr davor
hatte in Berlin die "Forschungsstelle" Robert Ritters
ihre Arbeit aufgenommen. Im Dezember 1937 erging vom Reichsminister
des Innern der so genannte "Runderlass zur vorbeugenden
Verbrechensbekämpfung durch die Polizei". Dieser
Erlass sah vor, jeden in Vorbeugehaft zu nehmen, "der
durch sein asoziales Verhalten die Allgemeinheit gefährdet".
Weiter bestimmt der Erlass, dass "die Polizeiliche vorbeugehaft
in Auswertung der bisherigen Erfahrung und der kriminalbiologischen
Forschung gewonnen Erkenntnisse zu erweitern ist". Der
Erlass ebnete den Weg für die willkürliche Verhaftung
von Roma und Sinti und für ihre Deportation in Konzentrationslager,
wo sie der "Rassenforschung" Ritters und seiner
Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden sollten.
Während die Polizei entsprechend dem Erlass mit der Verhaftung
von Roma begann, wurden bei der Hamburger Sozialbehörde
Pläne für ein Sammellager für Roma und Sinti
diskutiert. Erst am 22. September 1939 beschließt jedoch
der Hamburger Senat endgültig, ein "Zigeunerlager"
in Billstedt-Ojendorf herzurichten. Mit den Arbeiten wird
im Oktober 1939 begonnen, doch nach wenigen Tagen werden sie
auf Anweisung des Polizeioberregierungsrates Bierkamp wieder
eingestellt. Am 20. Oktober 1939 schreibt er:
"Gestern ist ein Schnellbrief des SS-Sicherheitsamtes
eingegangen, wonach sich die gesamten Zigeuner am 25., 26.
und 27.10.1939 in ganz Deutschland zu melden haben. Sämtliche
Zigeuner sollen nach dem Osten abtransportiert werden. Dieser
Berliner Erlass hat die Sachlage völlig verändert".
Der
Gedenktag, zur ersten Deportation von Roma und Sinti in die
Vernichtungslager des Nationalsozialismus.
16.
Mai jedes Jahr in Nöldeckestrasse vor der Gedenktafel ! Himmler
erließ am 27.04.1940 einen Schnellbrief, in dem die
„Umsiedlung der Zigeuner“ befohlen wurde.
Diese Aufforderung ging an die Polizeileitstellen der Städte:
Hamburg, Bremen, Hannover, Düsseldorf, Köln, Frankfurt
a.M. und Stuttgart.
Am 16.
Mai 1940 wurde dieser Befehl umgesetzt. Mehrere hundert Hamburger
Roma und Sinti wurden, von dem Sammelpunkt der Polizeistation
in der Nöldekestr., Hamburg - Harburg, in die Vernichtungslager
der Nationalsozialisten deportiert.
Die erste Station der Deportation war der Fruchtschuppen an
der Baakenbrücke im Hamburger Hafen, heute Ecke Kirchenpauerstrasse/Baakenwerder,
der Fruchtschuppen steht heute nicht mehr. Die Roma und Sinti
warteten hier 5 Tage, nachdem sie vor der Polizeiwache Nöldekestrasse
zusammengetrieben und dann mit Bussen in den Fruchtschuppen,
an der Baakenbrücke, gefahren wurden.
In dem Fruchtschuppen wurde das provisorische Sammellager
für alle norddeutschen Roma und Sinti eingerichtet, bevor
sie nach Polen deportiert wurden.
Herr Gottfried
Weiß erinnert sich:
„Der
ganze Platz wurde von den SS-Männern, Gestapoleuten und
Polizisten umzingelt, und wir wurden morgens um 4.00 Uhr aus
den Betten geholt. Uns wurde erzählt, dass wir umgesiedelt
werden, wir sollten nichts mitnehmen, und wir durften nichts
mitnehmen. Die sagten uns, dass wir dort alles vorfänden
und nichts mitzunehmen brauchten. Die Erwachsenen ahnten nichts
Gutes und sagten: 'Lasst uns mal das Notwendigste für
die Kinder mitnehmen."
16.05.1940
gegen 4 Uhr morgens, Platz an der Wasmerstrasse in Harburg
Begegnungen
mit dem Sinto Gottfried „Friedel“ Weiß > |